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1. Porträt eines Menschen (1862 - 1934)

Sein Wirken für den Frieden

Tiefere Ursachen des Krieges

Déclaration de guerre

Weit weg von seinen Glasgeschäften in Lodelinsart, verbringt Henri Lambert das Jahr 1915 mit in zwei Richtungen gehenden Überlegungen: einerseits zu den tieferen Ursachen des Krieges und zu den Mitteln, die es einzusetzen gilt, um diesem ein Ende zu bereiten und einen dauerhaften, „ewigen“ Frieden zu erreichen, und andererseits mit Blick auf den spezifischen Fall dieser Verheerung, ihrer Ursachen und möglicher Lösungen zur Erlangung eines raschen Friedens – gewissermaßen ein Pendeln zwischen Theorie und Praxis. So hat Deutschland aus seiner Sicht den Fehler begangen, nicht klar und deutlich das wahre Motiv und das wirkliche Ziel seiner Kriegserklärung zu formulieren, nämlich seinen Willen, sich „seinen Platz an der Sonne“ in den Reihen der großen europäischen Nationen zu verschaffen, die sich Kolonialreiche errungen hatten, während sich Deutschland unter Bismarcks Zuchtrute durch „Eisen und Blut" gestaltete.  

Aber "es ist nun einmal so, dass sich Deutschland an diese fatalen und voneinander untrennbaren Fehler hielt: Protektionismus und militaristische Politik – was logischerweise Autokratie, „Kaiserismus“ und Imperialismus bedingte. Hätte Deutschland bei seiner Kriegserklärung seine Motive geäußert, so hätte sich in sämtlichen – kriegführenden wie neutralen – Ländern sofort eine ernsthafte Debatte zu der aufgeworfenen Frage entfacht, und da das Licht aus der Diskussion entspringt, besteht keinerlei Zweifel, dass überall auf der Welt – Deutschland inbegriffen – eine starke Mehrheit der gebildeten, gewissenhaften und ernsthaften Menschen, bei gleichzeitiger Verurteilung des deutschen Krieges, sofort die Rechtmäßigkeit des Falles Deutschlands anerkannt hätten. Damit würde eine Verständigung und eine Lösung in Form eines Freihandelsabkommens oder einer weit reichenden Handelsfreiheit, die allen Nationen in den kolonialen Besitztümern Großbritanniens, Frankreichs, Russlands – und natürlich auch Deutschlands – die gleiche Behandlung gewährleistet, realisierbar. Dem wäre wahrscheinlich ein weiteres Abkommen hinsichtlich der kolonialen Expansion Deutschlands gefolgt, welches selbstverständlich festgelegt hätte, dass seine neuen Kolonialgebiete dem Handel aller Länder weiterhin offen stehen würden. Und es hatte sich Gelegenheit geboten, Deutschland zu verpflichten, für die Beziehungen zwischen den Metropolen den Weg des Freihandels zu beschreiten".  (Henri Lambert, November 1915)

Datum der letzten Aktualisierung: 2012-09-06