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7. Visionär oder Hellseher

Das europäische Aufbauwerk

Im Herbst 1915 beschreibt er in seinem Artikel „Moral und internationaler Handelsverkehr“ (La morale des échanges internationaux) die Hauptmerkmale der militärischen und der friedlichen Zivilisation.

„Derzeit handelt es sich darum, den schwierigen Übergang von der militärischen zur wirtschaftlichen und friedlichen Zivilisation zu vollziehen.  
Erstere wird gekennzeichnet durch:

  1. Vergrößerung der Staaten mittels Eroberung, erzwungene Föderalisierung, Zentralisierung durch die Autorität „der Macht“;
  2. Bereicherung, Fortschritt und Einheit der Nationen unter dem friedlichen System des auf die zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen angewandten Freihandels undunter dem auf;
  3. die internationalen Wirtschaftsbeziehungen angewandten kriegerischen System der „Handelsbilanz“ und des Protektionismus;
  4. die zwischen den Nationen recht und schlecht mittels Hegemonie oder durch das „Gleichgewicht der Mächte“ aufrechterhaltene Ordnung“.

 

„Die wirtschaftliche Zivilisation sollte sich auszeichnen durch :

  1. die Bereicherung und den allgemeinen Fortschritt der Völker unter dem friedlichen und pazifistischen System des auf internationale und nationale Beziehungen gleichermaßen angewandten Freihandels;
  2. die freiwillige, schrittweise Aufspaltung der großen Staaten, die politische Dezentralisierung und die Regierungsautonomie der sie bildenden Nationalitäten, nach Maßgabe der ethnischen, ethischen, politischen oder ganz einfach regionalen Verwandtschaften und Bestrebungen;
  3. die wachsende wechselseitige Durchdringung und Kreuzung der Völker, die Verschmelzung der Temperamente, der Wesensarten (begünstigt durch die Verkleinerung der politischen Einheiten und den wirtschaftlichen Zusammenschluss dieser kleineren Einheiten);
  4. die aufgrund der Solidarität der Interessen und der Einheit der sittlichen Bestrebungen gewährleistete internationale Ordnung: mittels der kooperativen Verbindung der Völker auf materiellem, geistigem und moralischem Gebiet.“

 

Er schließt indes die Möglichkeit eines späteren Prozesses der Reintegration nicht aus, d.h. einer politischen Wiedervereinigung der Völker, die sich getrennt hätten, und sogar die Möglichkeit einer letzten freiwilligen politischen Föderation des gesamten Menschengeschlechts, wenn dieses wirtschaftlich, intellektuell und moralisch geeint wäre.
Dagegen schließt er jede Möglichkeit einer solchen politischen, ganzen oder teilweisen, Föderation aus, sollte ihr nicht ein langer Zeitraum einer Wirtschaftszivilisation vorausgehen (gekennzeichnet durch politische Autonomie und wirtschaftliche Vereinigung der Völker), und sollte sie anschließend nicht auf der absoluten Freiheit der Wirtschaftsbeziehungen begründet werden. Die Geschichte der schwierigen Einigung des heutigen Europa könnte ihm Recht geben. 

Datum der letzten Aktualisierung: 2012-09-06